Einführung
Die Welt des Weins: Eine Fortsetzungsgeschichte ist sowohl eine bildliche als auch eine metaphorische Reise. Im Wesentlichen beschäftigt sie sich mit der Frage, wie sich die Weinindustrie...
Die Welt des Weins: Eine Fortsetzungsgeschichte.
(Episode 1)
Einführung
Die Welt des Weins: Eine Fortsetzungsgeschichte ist sowohl eine bildliche als auch eine metaphorische Reise. Im Wesentlichen beschäftigt sie sich mit der Frage, wie sich die Weinindustrie in den letzten Jahrzehnten, vor allem am Kap der Guten Hoffnung, entwickelt hat. Außerdem wird ein Vergleich mit den großen Terroirs in Europa angestellt.
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Seit den dunklen Tagen der Apartheid, die Südafrika isoliert haben, hat das Land einen langen Weg zurückgelegt. Der glorreiche Tag im Jahr 1994, als Nelson Mandela – Südafrikas berühmteste Figur – seine Stimme für eine neue demokratische Regierung abgab, bedeutete gleichermaßen einen Neuanfang für die Weinindustrie, die sich seitdem in beeindruckender Weise verändert hat. Während der Apartheidjahre übermäßig kontrolliert, war ein freier Export für die Weinproduzenten unmöglich, denn die Welt betrieb nur ungern Handel mit diesem Land. Heute ist Südafrika ein ernstzunehmender Mitbewerber in der internationalen Welt des Weins. Die Branche ist gut für Anforderungen des neuen Jahrhunderts gerüstet, und südafrikanische Winzer sind bereits in den Rausch des internationalen Wettbewerbs eingetaucht. Auf unserer Reise durch die Weinländer des Kaps der Guten Hoffnung erforschen wir neue Ideen, Geschmäcker und Trends, was sicherlich für diejenigen interessant ist, die den Wein mit seinen so vielfältigen Aromen und – wenn man so sagen darf – Exzentrizitäten lieben.
Exzentrizitäten deshalb, weil die Männer und Frauen, die in Südafrika an vorderster Front in der Weinherstellung arbeiten, ganz einzigartige Individuen sind. Kaum durch Regeln und Vorschriften beschränkt, die Unternehmungsgeist und Experimentieren oft schon im Keim ersticken, haben Weine in Südafrika eine eigene Persönlichkeit und einen eigenen Stil entwickelt. Der Weinanbau am Kap der Guten Hoffnung findet zwar auf relativ kleiner Fläche statt, diese beherbergt aber eines der größten Pflanzenreiche der Welt und bietet somit ein so vielfältiges Terroir, wie es in anderen Weinregionen eher ungewöhnlich ist. Die Weine sind daher vielseitig und interessant, oft schwierig, aber äußerst lohnend.
In Hermanus werden wir uns treffen.
Peter Finlayson, Winzer von Bouchard Finlayson
Auf unserer Reise durchqueren wir das Tal Hemel en Aarde, eine der neueren Weinregionen, die sich entlang der Südküste nahe der malerischen Stadt Hermanus erstreckt. Dort treffen wir Peter Finlayson, den Winzer von Bouchard Finlayson, der in dieser Gegend den Pinot Noir eingeführt hat. Auf die Frage, warum es so schwierig ist, in Südafrika guten Pinot Noir herzustellen, antwortete Finlayson 1997, dass ein Winzer Begeisterung für die Traube mitbringen müsse. „Wenn Pinot Noir funktioniert, ist er eher wie eine Oper. Einfach nur großartig, ohne Abstriche.“ Finlayson hat dieses Versprechen in der Tat eingehalten und setzt heute mit dem Tête de Cuvée Galpin Peak Pinot Noir von Bouchard Finlayson den Maßstab für diesen Rebsortenwein, der mit den Aromen von Trüffeln, Waldboden und samtigen Tanninen bündig ist.
Hermanus hat jedoch mehr zu bieten als Wein. Seitdem das sinnlose Töten des Südkapers ein Ende gefunden hat, gehört Hermanus zu dessen wichtigsten Brutgebiete, und immer wieder ist der Ruf dieses dort heimischen Wals zu hören, nur wenige Meter von den Felsen entfernt. Außerhalb von Hermanus gibt es eine wenig bekannte Stadt namens Napier. Dort hat sich Jean Daneel auf einem kleinen Anbaugebiet niedergelassen und Chenin Blanc angepflanzt.
CHENIN BLANC
Daneel hat auf zwei früheren Weingütern den Diners Club Award gewonnen und ist wohl einer der größten Verfechter des Chenin Blanc in diesem Land. Einer der ersten, die sich ernsthafter mit Chenin Blanc befassten, war Walter Finlayson, ehemals Glen Carlou, der seinen 1994er Chenin Blanc in Holzfässern lagerte. In Erinnerung an Peter Devereux, Südafrikas beliebten Gourmet und Wein-Aficionado, verkaufte er diesen Wein unter dem Namen Glen Carlou Devereux.
Als später, im Jahr 1995, britische Kellermeister zum Kap kamen, konnten sie nicht verstehen, warum so viele gute Chenin-Blanc-Weine in verschiedenen Mischungen ihre Identität verloren. Daraufhin organisierten die Kellermeister
vom Kap im darauffolgenden Jahr 1996 ein anregendes Chenin-Blanc-Symposium, das großen Anklang fand bei Landwirten und Winzern, die motiviert waren, ihre besten Weinberge für die Produktion unvergesslicher Weine zu nutzen. Es handelt sich um ältere, gut etablierte Reben, die niedrige Erträge und damit stärker konzentrierten Most geben. Einige wenige Winzer begannen sofort mit dem Jahrgang 1996, mit guter Resonanz bei den Weinliebhabern. Das Paradebeispiel für diesen Stil war der Morgenhof Chenin Blanc von Jean Daneel, der den Wettbewerb der Zeitschrift Wine um den „Chenin Blanc Wine Challeng
Die frühere Arbeit von Jean Daneel und Walter Finlayson am Chenin Blanc hat inzwischen ein blühendes Geschäft hervorgebracht, und die alten Chenin-Blanc-Weine erobern die Welt im Sturm. Siebzehn Chenin-Blanc-Weine erhielten im Jahr 2018 den begehrten Platter Five-Star Award, darunter der Skurfberg 2016 von Eben Sadie. Wir e Champion Wine“ gewann. Dieser Chenin Blanc wurde von dem Wein eines 27 Jahre alten Weinbergs hergestellt. Er wurde nicht nur fünf Monate lang als zweite Füllung in Fässern gereift, sondern auch im Fass malolaktisch vergoren. Daneel wird seinem Ruf weiterhin gerecht und sein prächtiger Chenin-Blanc-Signaturwein 2003 gewann als erster die John Platter-Auszeichnung „Wein des Jahres“.
werden bald Zeit mit Eben Sadie verbringen, um mehr über seine Philosophie der Weinherstellung und seine Ansichten zum Terroir zu erfahren.
Eben Sadie in Swartland liebt Weine nach Rhône-Art.
Wir treffen Eben Sadie in Swartland. Sein leidenschaftliches Interesse gilt den Rhône-Weinen, welhalb wir uns vor allem über seine Ideen zu diesen Sorten und über das Terroir der Côte du Rhône unterhalten wollen. Wir sind gespannt, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten für Südafrika gelten und wie sich diese auf die südafrikanischen Stile auswirken. Sadie glaubt, dass das Swartland der südlichen Rhône, die in das Gebiet Lanquedoc-Roussilon mündet, stark ähnelt.
Auf unsere Frage, wie sich klimatische Unterschiede auf den Wein auswirkten, antwortete er:
Zunächst einmal findet die Weinlese dort im Herbst statt und hier im Hochsommer. Beim Vergleichen der klimatischen Bedingungen ist das allein schon ein großer Unterschied. Im Großen und Ganzen werden alle Trauben der südlichen Hemisphäre im Hochsommer, also mitten in der Vegetationsperiode, gelesen. Ich glaube nicht, dass dies der beste Zeitpunkt für die Lese ist, da sich die Rebe noch in einem vegetativen Stadium befindet. In Frankreich werden die Reben gepflückt, wenn sie ihren Wachstumszyklus im Wesentlichen abgeschlossen haben und zur Ruhe kommen. In Frankreich kann der Winter innerhalb
von zwei Wochen nach der Ernte beginnen. Die Blätter sind bereits gelb, die Phenole sind reif. Die Trauben erreichen ihre Reife typischerweise bei 12 Prozent Alkohol. Um hier den gleichen Grad an phenolischer Reife zu erreichen, müssen wir bei 14 oder 14,5 Prozent Alkohol lesen. In vielen Jahren haben wir zu kämpfen, dass unsere Trauben reifen. Die Franzosen wiederum kämpfen für einen optimalen Zuckergehalt.
Sadie hat seine Schwierigkeiten mit dem Terroir in Swartland sicherlich überwunden. Sein Columella, hergestellt mit Shiraz und Mourvèdre, erhält regelmäßig begeisterte Kritiken und ist sicherlich gut geeignet, uns auf neue Wege zu führen, die wir auf unserer Reise durch die Welt des Weins weiter erforschen werden.