Die Welt des Weins (Episode 15)

 

HARRY STEPHAN

Mai

Die Welt des Weins: Eine Fortsetzungsgeschichte.


Kellermeister von Bouchard Finlayson (Episode 15) 

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Peter Finlayson

Wir sind bei Peter Finlayson, dem Kellermeister von Bouchard Finlayson. Ein Meister in der Welt des Weins, produziert er seit 40 Jahren im Tal Hemel en Aarde Wein. Er wird uns nicht nur den Diskurs um eine der prestigeträchtigsten Weinregionen am Kap näherbringen, sondern auch deren Beziehung zu den Climats von Burgund erläutern.  

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Peter Finlayson

Peter Finlayson findet, dass ein Vergleich von Weinen aus verschiedenen Regionen der Welt nur subjektiv sein kann und nicht die unterschiedlichen Weinkulturen und Präferenzen der einzelnen Weinkonsumenten berücksichtige. Wir sind anderer Meinung. Der Vergleich kann doch eine interessante Reise durch die Welt des Weins und außerdem eine bereichernde Erfahrung darstellen. 

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Bouchard Finlayson

Zur Erinnerung: Mit Jorge Tonietto haben wir argumentiert, dass das Klima in Burgund dem des Hemel en Aarde-Tals in der Overberg-Region Südafrikas sehr ähnlich ist. Insbesondere ergab ein Vergleich unserer drei Indizes erstaunliche Übereinstimmungen. Die Tagestemperaturen der beiden Regionen korrelieren beachtlich. Bei den Nachttemperaturen fanden wir geringfügige Abweichungen und, wie bereits ausgeführt, haben wir den Trockenheitsindex korrigiert. Uns ist bewusst, dass das Mesoklima in verschiedenen Weinbergen eine Rolle spielt, aber angesichts der Ähnlichkeit des Klimas würden wir davon ausgehen, dass die Overberg-Region ähnliche Weine hervorbringt. Und, ist es so? 

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Weinregion Overberg

Auf unseren Reisen in Süditalien haben wir gelernt, dass der Boden die Typizität der Weine bestimmt und den ursprünglichen Charakter, den Geschmack und die aromatische Komplexität der Weine prägt. Wollen wir den Boden in Burgund beschreiben, so stellen wir fest, dass er aus unzähligen Ansammlungen von Lehm, Kreide und Kies besteht, die sich über Tausende von Jahren gebildet haben. Der Boden im Hemel en Aarde-Tal besteht aus Malmesbury-Schiefer. 

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Weingut Romanée Conti

Beginnen wir mit der Beschaffenheit des Bodens in Burgund, insbesondere in den climats, in denen Grand Crus angebaut wird. Dabei konzentrieren wir uns zunächst auf Richebourg, das bei der Bewertung in einem Atemzug mit Romanée Conti und La Tâche genannt wird. Das Terroir von Richebourg liegt ebenfalls auf einem Muttergestein aus Bajocium-Kalkstein. Die Böden sind flach, gut mit Ton bestückt, mit einer Tiefe, die in der Regel 30 Zentimeter nicht überschreitet. Peter Finlayson betonte, dass wir uns bei unserer Betrachtung des Bodens in Richebourg auf dieses Muttergestein aus Bajocium-Kalkstein konzentrieren sollten, auf dem die Reben wachsen. Der Kalkstein, genauer gesagt, das pflanzengängige Kalziumkarbonat, ermöglicht es den Reben, mit einem günstigen pH-Wert von über 6,0 zu leben. Der Boden ist also angenehm alkalisch und die Reben können Nährstoffe wie Magnesium, Kalium, Kalzium und Natrium leicht aufnehmen. Diese Nährstoffe sind essentiell für die Gesundheit der Rebe. Von größerer Bedeutung ist jedoch die Beschaffenheit des kalkhaltigen Untergrundes, da er die Wasserrückhalte- und Drainageeigenschaften des Bodens erheblich beeinflusst. In wasserdurchtränkten Böden gedeihen Reben schlecht und es steigt das Risiko für Wurzelkrankheiten. Die chemische Struktur kalziumreicher Tonböden, wie die in Richebourg, setzt sich aus Molekülschichten zusammen, die durch ionische Anziehung zusammengehalten werden. Diese Struktur erlaubt es dem Boden, in Trockenperioden Feuchtigkeit zu speichern, und sorgt für eine gute Entwässerung bei starken Regenfällen. Mit der Entwässerung befassen wir uns später. 

 

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Schiefergestein in Malmesbury

Bei Bouchard Finlayson besteht der Boden aus Malmesbury-Schiefer und wie in Richebourg aus einigen der ältesten Materialien der Welt. Er hat sich aus geologischen Formationen entwickelt, die lange Zeit der Verwitterung ausgesetzt waren, ohne ausgedehnte Abdeckung durch jüngeres Material aus Gletscher- oder Schwemmepochen. Infolge des fortgeschrittenen Verwitterungszustands wiesen diese Böden einen hohen Gehalt an Kaolin und Sesquioxiden (Eisen- und Aluminiumoxiden) auf. Und tatsächlich kann der Boden von Bouchard Finlayson als schwer beschrieben werden, mit einer dominierenden Tonkomponente. Der Boden ist stark strukturiert, auf teilweise zersetztem Muttergestein mit guten Nährstoffreserven und Wasserrückhalteeigenschaften, also ideal für Pinot Noir. 

Erinnern wir uns aber daran, dass Terroir mehr als nur eine Beschreibung des Bodens ist. Auch das Klima spielt eine Rolle, sei es in Form warmer Luftströme, die die unzähligen Meso- und Mikroklimata entlang der Coombs und der Ebenen von Burgund hervorbringen, oder als Wettersystem, das den Umfang und die Balance des jeweiligen Jahrgangs bestimmt. Während, wie Columella erläutert, der Boden durch seinen ursprünglichen Charakter, seinen Geschmack und seine komplexen Aromen die Typizität des Weins bestimmt, gedeihen die Reben in einem gemäßigten Klima, da es ein subtiles Gleichgewicht zwischen Säure, Alkohol und phänologischer Reife ermöglicht. 

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Burgund

Im Burgund unterliegt das Klima drei Einflüssen: einem Küsteneinfluss aus dem Westen, einem kontinentalen Einfluss aus dem Nordosten und einem mediterranen Einfluss aus dem Süden. Den Mönchen waren diese Einflüsse wohl bekannt, denn sie stellten die Climats grafisch dar, um einen natürlich geschmeidigen, strukturierten Wein hervorzubringen, der mit seiner natürlichen Fruchtkonzentration, seinen Tanninen und seiner Komplexität physiologische Reife erreichen kann. Wenn Klima und Boden in einem exzellenten Jahrgang zusammenfließen, produzieren die großartigen Climats Weine, die nach einem Zeitraum von bis zu einem Jahrhundert schließlich ihr volles Potenzial entfalten. 

Peter Finlayson ließ nicht nach, auf einen grundlegenden Unterschied zwischen dem Klima in Burgund und dem des Tals von Hemel en Aarde hinzuweisen. Der Vergleich von Jorge Tonietto funktioniere genau deshalb nicht, weil wir den Trockenheitsindex korrigiert haben. In Burgund fallen jährlich etwa 773 mm Niederschlag, etwas mehr als im Tal von Hemel en Aarde. In Burgund fallen die heftigen Regenfälle im Mai und Anfang Juni, also im Spätfrühling/Frühsommer. Der Kalkstein mit seinen hervorragenden Drainageeigenschaften verhindert in dieser Zeit die Staunässe der Reben, hält aber gleichzeitig das Wasser ausreichend lange zurück, um die Reben zu versorgen. 

Im Hemel en Aarde Valley hingegen beträgt der jährliche Niederschlag 722 mm. Die meisten Niederschläge fallen von Mai bis August, also vom Spätherbst bis in den Winter hinein. Der Boden muss diese Winterfeuchtigkeit über die trockenen Sommermonate hinweg für die Reben speichern. Die idealen Bodentypen sowohl für Richebourg als auch für Bouchard Finlayson korrespondieren also mit den effektiven Niederschlagsperioden in der jeweiligen Region. 

 

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Columella

Columella ging es damals in seinen Abhandlungen allgemein um die Natur oder das beste verfügbare Terroir. Angesichts der global weit verbreiteten Pflanzung hat sich die Meinung zum Terroir inzwischen etwas geändert. Heute entspricht die Idee des Terroir wirklich der, dass Weine aus einem bestimmten Terroir einzigartig sind und außerhalb dieses Gebiets nicht reproduziert werden können, selbst wenn die Rebsorte und die Weinbereitungstechniken genauestens übereinstimmen. Die Winzer im Burgund glauben beispielsweise nicht, dass sie einen Pinot Noir rein zufällig im Burgund anbauen, sondern sie sind der Ansicht, dass sie einzigartige burgundische Weine produzieren, die zufällig aus Pinot Noir hergestellt werden. Wenn es tatsächlich so ist, dass die Bodentypen zwar für jede Region ideal, aber völlig unterschiedlich sind und dass die Klimabedingungen in den verschiedenen Regionen trotz möglicherweise ähnlicher Temperaturen doch völlig unterschiedlich sein können, nämlich wenn man die Perioden der maximalen Niederschläge vergleicht, dann müssen wir daraus ableiten, dass es eine gewisse Einzigartigkeit sowohl bei den burgundischen Weinen als auch bei den Weinen aus dem Tal Hemel en Aarde gibt. Damit wollen wir zum Ausdruck bringen, dass zwar mit Terroir über Regionen hinweg allgemein bestimmt werden kann, was Größe definiert und was nicht, dennoch sollte sich der Begriff Terroir wohl auf einen bestimmten einzigartigen Ort beziehen. In unserer nächsten Folge wird Peter Finlayson erörtern, wie das Terroir dem Pinot Noir von Bouchard Finlayson seinen einzigartigen Ausdruck verleiht. 

 

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