Die Welt des Weins (Episode 2)

Einführung

Weingut Hathersage

Wir wollen Somerset West und den Helderberg besuchen. Hier treffen wir Giorgio Dalla Cia, der uns als Kellermeister bei Hathersage Auskunft gibt. Dieser Bauernhof war ursprünglich Teil des historischen Vergelegen...

HARRY STEPHAN

Die Welt des Weins: Eine Fortsetzungsgeschichte.

(Episode 2) 

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Weingut Hathersage

Wir wollen Somerset West und den Helderberg besuchen. Hier treffen wir Giorgio Dalla Cia, der uns als Kellermeister bei Hathersage Auskunft gibt. Dieser Bauernhof war ursprünglich Teil des historischen Vergelegen. Giorgio Dalla Cia, ehemals Winzer bei Meerlust, gewann 2006 beim Wein- und Spirituosenwettbewerb in London mit seinem 2001er Meerlust Rubicon die Pichon Longueville Comtesse de Lalande Trophy. Für einen südafrikanischen Winzer ist dies eine große Ehre und der Preis macht ihm zu einem der führenden Winzer in Südafrika. Die Signaturweine von Giorgio Dalla Cia waren schon immer Verschnitte im Bordeaux-Stil, und wir werden unsere Zeit mit ihm nutzen, um über die Zusammensetzung dieser Verschnitte und die Unterschiede im Terroir zwischen Pomerol, Saint Emillion, Haut Médoc und dem Helderbergtal zu sprechen. Was macht einen klassischen Verschnitt aus? Diese Frage stellten wir vor einigen Jahren Giorgio Della Cia, der uns erklärte, dass die Weine aus dem Médoc klassische Verschnitte seien. 

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Er fügte aber hinzu: 

„Man muss eine Vorstellung davon haben, wonach man suchen soll. Zu lernen, einen Verschnitt im weiteren Sinne herzustellen, ähnelt dem Studium eines Malers, der lernt, seine Farben zu mischen. Wer wie Tizian malen will, muss Tizian studieren, um die kräftigen, intensiven roten Farben mischen zu können. Wer wie Botticelli malen will, braucht wiederum einen ganz anderen Stil. Jeder Meister hatte seine eigene Schule, in der er seine Schüler lehrte, wie man Farben mischt. Jeder Maler hatte seine eigene Formel zum Mischen von Mineralien und Kräutern oder was auch immer er benutzte. Die Mischung verschiedener Farben, um diese besondere Tonalität zu erreichen, war ein wohlbehütetes Geheimnis. Dasselbe gilt auch für den Verschnitt von Wein. Man muss lernen, die verschiedenen Weine so zu mischen, dass etwas Anderes entsteht, etwas Besseres. Ist das Ergebnis nach dem Mischen enttäuschend, hat man die falschen Weinsorten gemischt. Um erfolgreich zu sein, muss man die Bestandteile des Verschnitts verstehen. Man muss jeden Wein einzeln verstehen und die jeweiligen Affinitäten kennen. Merlot beispielsweise hat eine gute Affinität zu Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, da die Sorte Merlot vom Cabernet Sauvignon abstammt. Sie gehören fast zur gleichen Familie. Wenn wir sie mischen, finden sie leicht zueinander. Ich würde beispielsweise nie Cabernet Sauvignon und Shiraz mischen. 

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Gut Vergelegen

Weiter talaufwärts liegt der historische Bauernhof Vergelegen. Im Jahr 1700 wurde Vergelegen von der Niederländischen Ostindien-Kompanie Gouverneur Willem Adriaan van der Stel zugesprochen. Als sachkundiger und praktischer Landwirt stellte er bald sein Können unter Beweis und pflanzte 500 000 Reben, Kampferbäume, Obstbäume und Gemüse – mit Erfolg. Der Hof florierte und es wurde ein Weinkeller gebaut. Hier befindet sich heute die Bibliothek von Vergelegen. 1917 kauften Sir Lionel und Lady Florence Phillips das Anwesen und fügten dem ursprünglichen Gehöft einen Giebel hinzu. Lady Phillips renovierte das Anwesen, die Bibliothek und die Gärten. 1987 wurde Vergelegen von dem Unternehmen Anglo American erworben, das die Gebäude mit unendlicher Sorgfalt restaurierte und neue Weinberge anlegte. Der französische Architekt Patrick Dillon entwarf den modernen Keller, der Anfang 1992 von Baron Elie de Rothschild offiziell eröffnet wurde. Wir treffen uns mit dem derzeitigen Geschäftsführer von Vergelegen, Don Tooth, und dem Winzer André van Rensburg. Unter diesem Team hat Vergelegen Kultstatus angenommen und gilt für viele als führende Weinfarm Südafrikas. 

Die Nordhänge des Helderbergs bilden den Rahmen für unsere nächste Begegnung.

Die Nordhänge des Helderbergs bilden den Rahmen für unsere nächste Begegnung. Hier treffen wir Kevin Arnold in Waterford. Waterford ist in seinem Umfang und seiner Vision durchaus beeindruckend und Kevin Arnold ein Mann mit Mission. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Waterford in der Welt des Weins zu einem erstklassigen Akteur zu machen. Dazu kreiert er einzigartige Verschnitte aus Sorten unterschiedlicher Weinregionen. Vor fünf Jahren fragten wir Arnold nach seiner Vision für einen Verschnitt, der einzigartig für den Helderberg sein würde. Bevor wir zu einem lokalen Restaurant an der 96 Winery Road fahren, möchten wir an dieses Gespräch anknüpfen und sehen, was sich in Waterford getan hat. 

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Weingut Waterford

Die Winery Road ist der Ort, an dem wir Martin Meinert treffen. Meinert, früher Winzer von Vergelegen, ist der bekannteste Winzer Südafrikas. Derzeit ist er im Devon Valley tätig, einem der führenden Weinanbaugebiete Stellenboschs. Meinert hält das Klima für entscheidend bei der Bildung von Aromen im Wein entscheidend. Im Gegensatz zu den Franzosen ist er überzeugt, dass das Klima tatsächlich wichtiger ist als der Boden. Beide zusammen machten zwar das Konzept des Terroirs aus. Südafrikanische Weine würden aber mehr Sonnenschein erhalten und daher sei die Photosynthese stärker als in Europa. Für Meinert ist die Analyse von Boden und Klima vor der Anpflanzung eines Weinbergs unerlässlich, um erfolgreiche Ergebnisse im Keller zu erzielen. Unser Gespräch drehte sich um sein Streben nach Eleganz im Wein nach 21 Jahren in der Weinindustrie. 

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Weinberg Boschkloof

Jacques Borman, ehemaliger Winzer von La Motte im Franschhoek-Tal, hat sich inzwischen als unabhängiger Winzer von Boschkloof bei Stellenbosch etabliert. 1995 gewann Borman mit dem Bordeaux-Stil-Verschnitt La Motte Millennium auf der Vinexpo in Frankreich eine Goldmedaille. Seitdem er sich am Boschkloof niedergelassen hat, kreierte Jacques einige ausgezeichnete Syrah und erhielt vom Wine Spectator 91 Punkte. Auch einen Boschkloof Reserve, ein Verschnitt aus Cabernet Sauvignon und Merlot, hat er in sein Sortiment aufgenommen. Damals im Jahr 1995, als wir über seinen Millenium-Verschnitt sprachen, war Borman bereits der Ansicht, dass südafrikanische Cabernets anders reifen würden als die französischen. Auch unterstrich er, dass südafrikanische Merlots unterschiedliche Geschmacksrichtungen haben. Im Grunde habe Cabernet Sauvignon unter südafrikanischen Bedingungen mehr Vorlauffrüchte, mit würzigen Aromen von Kirschen und Schokolade, und am Ende viele trockene Tannine. Südafrikanische Produzenten neigten dazu, Merlot in einem leichten fruchtigen Stil herzustellen. Er hingegen wolle Merlot in einem dichten Stil, füllig im Geschmack, produzieren. Jacques Borman ist ein weiterer Winzer, der an eine korrekte Weinbergbewirtschaftung glaubt, und wir wollen uns mit ihm über den Stilwandel der südafrikanischen Weine unterhalten. 

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Unser nächster Halt ist Rustenberg, die Heimat von Simon Barlow. Im Jahr 2000 stellten wir Simon Barlow eine einfache Frage: „Wie würden Sie die südafrikanische Weinindustrie im Vergleich zu anderen großen Weinindustrien der Welt charakterisieren?“ 

Weingut Rustenberg

Seine Antwort war: 

„Fragmentiert. Uns fehlt der Zusammenhalt. Es gibt zu viel Volatilität bei den großen Akteuren in der Branche und keine gezielte Anstrengung. Für den internationalen Markt, der sich über unsere Position und Entwicklungsrichtung nicht im Klaren ist, ist das verwirrend. Als Land müssen wir qualitätsbewusst und ergebnisorientiert sein. 

1988 übernahm Simon Barlow die Leitung von Rustenberg. Seitdem hat er in dieser historischen Umgebung einen prächtigen Hof geschaffen, der seinesgleichen sucht. Indem wir das Thema südafrikanischer Weine auf dem größeren Markt noch einmal aufgreifen, möchten wir herausfinden, in welche Richtung wir uns bewegen. Barlow ist aufgrund seines Erfahrungsschatzes bei der Vermarktung von Weinen im Ausland hervorragend geeignet, zu diesem Thema etwas zu sagen. 

Um einen Eindruck von den kommenden Ereignissen zu vermitteln, haben wir einige der Winzer erwähnt, mit denen Treffen geplant sind. Bevor wir jedoch weiter forschen, beginnen wir in unserer nächsten Episode mit einer Diskussion über Terroir, Boden und Klima. 

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