
Inwieweit beeinflusst das Terroir
tatsächlich die späteren Weinaromen. . .
HARRY STEPHAN
Die Welt des Weins: Eine Fortsetzungsgeschichte.
Terroir: Boden und Klima (Episode 3)
Weingut Bouchard Finlaysen
Peter Finlayson bezeichnet es als etwas respektlos, Weine aus verschiedenen Regionen der Welt zu vergleichen. Seiner Meinung nach ist ein solcher Vergleich subjektiv und berücksichtigt nicht die unterschiedlichen Weinkulturen und Präferenzen der einzelnen Weinkonsumenten. Wenn es jedoch um das Terroirs geht, werden Vergleiche sinnvoll, weil sie auf Interesse beruhen, anstatt Punkte zu vergeben. Um herauszustellen, wie unterschiedliche Terroirs das Endprodukt beeinflussen, sind – wenn Sie so wollen – die resultierenden Weine schlussendlich der Beweis. Diesbezüglich lassen sich unsere Winzer in zwei Kategorien einteilen: Die einen argumentieren, dass der Boden den Wein stärker beeinflusst als das Klima, und die anderen behaupten genau das Gegenteil. Es kommt wohl darauf an, worauf man den Schwerpunkt legt. Auf jeden Fall gibt es eine Reihe von Faktoren, die beeinflusst werden: die Auswahl der Sorten für eine bestimmte Region oder einen bestimmten Weinberg, die Dichte, in der die Reben gepflanzt werden, die Art und Weise der Laubarbeiten und schließlich der Prozess der Weinherstellung im Keller.

Emile Peynot

Platon
Eine weitere Denkrichtung argumentiert, dass die Natur so wenig wie möglich beeinträchtigt werden sollte. Wir folgen aber den Ideen von Professor Emile Peynaud, einer französischen Koryphäe auf diesem Gebiet. Er ist der Ansicht, dass der Mensch den entscheidenden Einfluss auf den Weinberg hat, und zwar in dem Sinne, dass nicht die Natur Schuld sein kann, wenn die Person, die die Trauben anbaut und den Wein herstellt, den falschen Ort für den Weinberg aussucht. Auch wenn im Anschluss schlechte Entscheidungen getroffen werden, ist nicht die Natur schuld. Die Bewirtschaftung eines Weinbergs ist also im Wesentlichen Auslegungssache. Entscheidend ist die verantwortliche Person, und wenn man wirklich mit einem bloßen Stück Land beginnt, ist ein einschüchterndes Maß an Sensibilität erforderlich
Letztendlich ist es eine Frage des Potenzials.
Nach Ansicht der frühen Griechen, insbesondere Platons, liegt in jedem von uns ein bestimmtes Potenzial bzw. wohnt einer Polis ein bestimmtes Potenzial inne.Die Eiche ist bereits in der Eichel enthalten. Wie wir über dieses Potenzial hinausgehen, wird weitgehend von unserer Umwelt oder unseren Lebensumständen bestimmt. Die klassische Frage also, inwieweit wir von der Natur vorprogrammiert oder aber von unserer Umwelt geprägt sind. Nach demselben Schema könnten wir fragen, ob ein gewisses Potenzial in einem Weinberg oder einem Wein liegt. Ein Weinberg wird sich in einer bestimmten Weise verhalten, aber das hängt nicht unbedingt mit seinem Potenzial zusammen. Das Verhalten ist auf den Jahrgang, das Klima und die Art der Weinbaupraktiken zurückzuführen, die wir ihm aufzwingen. Wenn wir also im Einklang mit der Natur sind, wissen wir, was zu tun ist, wenn wir auf einem Stück Land stehen. Wenn darüber hinaus alle nachfolgenden Entscheidungen absolut im Einklang getroffen werden, können wir großartigen Wein herstellen. Das wäre das Ultimative, die Perfektion.
Daten zu den durchschnittlichen
Weinlesetagen in Frankreich
Bei der Gegenüberstellung der verschiedenen Regionen in den Weingebieten des Kaps der Guten Hoffnung mit bestimmten Regionen in Frankreich, Neuseeland und den Vereinigten Staaten beginnen wir zunächst mit dem Klima. Zum Beispiel liegen seit dem Jahr 1400 Daten über die durchschnittliche Zahl von Weinlesetagen in Frankreich vor. Die Unterschiede betragen zwar nur 10 Tage, dennoch machen die Daten deutlich, wie sich das Klima auf die einzelnen Jahrgänge ausgewirkt hat. Es zeigt sich ein Trend, der angesichts der aktuellen Debatte über die globale Erwärmung sehr interessant ist. Darüber hinaus verfügen wir über Daten zu den durchschnittlichen Niederschlägen und Tages- und Nachttemperaturen (nicht nur in der Vegetationsperiode, sondern auch in der Ruhephase), die sich auf den allgemeinen Zustand und das Wohlbefinden der Reben auswirken. Der Einfluss des Klimas auf die in den verschiedenen Regionen angebauten Sorten steht außer Frage, und wir würden hier gern mit ein paar Mythen über das Klima in den südafrikanischen Weinbergen aufräumen.
Laubarbeiten
Aufbauend auf dieser Debatte stellen wir den zweiten Aspekt vor: das Terroir. Wir beginnen mit einem Überblick über die einzelnen Regionen mit Daten zu Boden, Aspekten und Sonnenlicht und zum Einfluss der vorherrschenden Winde auf den Weinberg. Damit kommen wir zu den zwangsläufigen Schlussfolgerungen im dritten Teil der Terroir-Debatte: Wie werden Laub und Boden im Weinberg kontrolliert? Entscheidend sind hier Fragen rund um das Pflügen, Spalieren und die Bildung von Wurzeltrieben. Der allgemeine Konsens ist, dass reiche Böden übermäßig Kraft erzeugen und zu schlaffen Weinen führen. Wenn das Ziel des Winzers darin besteht, elegante, gut strukturierte Weine zu kreieren, dann wird das Potenzial des Weinbergs und letztlich auch des Endprodukts dadurch bestimmt, wie die drei Variablen im Einklang miteinander stehen. Das sind die Themen, die unsere Reise bestimmen, und wir hoffen, dass Sie die Fahrt durch die Welt des Weins genießen.